Leistungsspektrum

Cytologische Diagnostik

1. Was untersuchen wir?

1.1. Allgemein

  • Cytologische Untersuchungen aller Organe und Körperflüssigkeiten mit Hilfe der Routine­färbungen und standardisierter Zusatzuntersuchungen (wie z.B. Cytochemie und Immun­cytochemie).
  • Untersuchung und Differenzierung benigner (gutartiger) und maligner (bösartiger) Krankheiten aller Art anhand von cytologischen Präparaten verschiedener Materialien.
  • Bestimmung des Krankheitserregers bei Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) mittels Gram- und PAS-Färbung und PCR.
  • Feststellung und Differenzierung von Malignitätsvorstufen in nahezu allen Organen.
  • Bei malignen Tumoren Differenzierung des Malignitätsgrades.
  • Bestimmung des Ausgangorganes bei metastatischen Tumoren mit Hilfe cytochemischer und immuncytochemischer Verfahren.

1.2. Übersicht des Leistungsverzeichnisses im Detail

Abdomen-PunktatMamma (Punktat, PE)
Anus (Bürste, Punktat oder PE)Mediastinum (Punktat)
AnastomoseMilz (Punktat)
Aszites-PunktatMundhöhle (Bürste, PE)
Broncho-Alveoläre Lavage (Ausstriche, Millipore-Filter, Cytozentrifuge)Nasenschleimhaut
Bronchus-BürsteNiere (Punktat)
BronchiallavageNebenniere (Punktat)
Blut, peripherOesophago-Cardialer Übergang (Bürste, PE)
Bronchus-PEOesophagus (Bürste, PE)
BronchialsekretOvar (Punktat)
BronchialspülungPankreas (Punktat)
Cervix (Abstrich)Papille (Bürste)
Choledochus (Bürste, Punktat)Parotis (Punktat, PE)
Colon (Bürste, Punktat oder PE)Penis (Abstrich)
Duodenum (Bürste, Punktat oder PE)Perbronchiales-Punktat
Duodenalwand (Punktat)Perikard-Erguss (Punktat)
Douglas (Punktat)Peritoneal-Lavage
EjakulatPleura (Punktat, PE)
Endobronchiales PunktatPortio (Abstrich)
Endometrium (Abstrich, Punktat)Prostata (Punktat, PE)
Gallengang (Bürste, Punktat, Sekret)Rachen (Abstrich)
Gelenk (Punktat)Saugbiopsie
Haut (Punktat)Scheide (Abstrich)
Hoden (Punktat)Schilddrüse (Punktat, PE)
Harnröhre (Abstrich)Speicheldrüse (Punktat, PE)
Hydrozele (Punktat)Sputum
Katheter-BiopsieStimmband (Abstrich)
Kehlkopf (Bürste, Punktat, PE)Tonsille (Abstrich, Punktat)
Kiefer (Punktat)Trachea (Bürste, PE, Sekret)
Knochenmark (Punktat, PE)Transbronchiales-Punktat oder FNB
Kniegelenk (Punktat)Urin
Knochen (Punktat, PE)Vagina (Abstrich)
Leber (Punktat, PE)Vulva (Abstrich, Punktat)
Liquor (Punktat)Weichteil (Punktat, PE)
Lunge (Punktat, PE)Wunde (Abstrich)
Lymphknoten (Punktat, PE)Zunge (Abstrich)
Magen (Bürste, Punktat, PE)Zwerchfell (Punktat)
Magenwand (Punktat)Zyste (Punktat)
Mamille (Sekret)

2. Indikation, Ergebnisse und Interpretation

Wann ist eine cytologische Untersuchung indiziert bzw. die Methode der Wahl ?

  • Immer dann, wenn bei bereits bestehender und bekannter Grunderkrankung die Frage eines Rezidivs, Metastasierung oder Infiltration (z. B. bei generalisierten hämatologischen Erkrankungen) beantwortet werden soll, ist eine cytologische Untersuchung mittels Feinnadelpunktion sicherlich die Methode der Wahl. Hierbei kann mit einem geringen technisch-apparativen Aufwand und für den Patienten minimaler Belastung eine zuverlässige Aussage getroffen werden. Eine Feinnadelaspirations-Cytologie (FNAC) ist, auch wenn sie wiederholt durchgeführt werden muss, für den Patienten sicherlich eine geringere Belastung als ein operativer Eingriff.
  • Bei allen tiefergelegenen Prozessen, bei denen ein operativer Eingriff mit großen Risiken verbunden wäre, ist eine sonographisch bzw. computertomographisch geführte Feinnadelaspirations-Cytologie ebenfalls die Methode der Wahl.
  • Wenn der Gesamtzustand des Patienten einen operativen bzw. größeren invasiv-bioptischen Eingriff risikoreich erscheinen lässt, sollte eine cytologische Untersuchung vorgezogen werden.
  • Bei allen primär als zystisch eingeordneten Prozessen ist die FNAC die einzige Methode, da in diesem Fall nur cytologisch eine Diagnose zu stellen ist.
  • Bei bakteriellen Entzündungen (Abszessen) kann eine morphologische Differenzierung der Keime wie auch eine Gramfärbung durchgeführt werden, was für die antibiotische Therapie von entscheidender Bedeutung sein kann.
  • Bei allen generalisierten Erkrankungen (z. B. hämatologische Grunderkrankung oder Lymphome), bei denen die Frage nach Malignität und Subtypisierung erfolgen soll, ist die FNAC sicherlich ebenfalls an erste Stelle zu setzen, da sie bei multiplen Herden aus mehreren Lokalisationen gewonnen werden kann (z. B. Lymphome). Ein solches Vorgehen ermöglicht bei generalisierten Lymphomen, wenn die cytologische Diagnose eindeutig gestellt werden kann und diese mit dem klinischen Bild sowie dem klinischen Verdacht übereinstimmt, einen frühzeitigen Therapiebeginn. Erfahrungsgemäß ist oft nach operativ-diagnostischen Lymphknoten-Extirpationen vor der endgültigen Subklassifizierung mit Zeitverlusten zu rechnen, da die endgültige Typisierung durch einen Referenzpathologen (Kiel) erfolgen muss.
  • Bei allen Prozessen, die im CT zweifelhaft sind, nicht sicher zugeordnet werden können und / oder für die eine eindeutige Indikation für einen operativ-diagnostischen Eingriff fehlt, kann durch eine FNAC eine cytologischer Befund erhoben werden.
  • Wenn eine möglichst schnelle Diagnose mit einer hohen Sensitivität und Spezifität gewünscht wird, kann diese durch eine Cytologie erfolgen. Nach Lufttrocknung der Ausstrichpräparate und unter Verwendung einer Schnellfärbung kann eine Aussage innerhalb von Minuten getroffen werden. Dies gilt für die Onsite-Cytologie (ROSE): Die cytologische Untersuchung erfolgt am Punktionsort.
  • Eine getrennte parallele cytologische Untersuchung mittels Imprint- oder Abtupf-Cytologie sollte insbesondere dann erfolgen, wenn die gewonnene Biopsie besonders klein ist (siehe untere Abb.). Die Cytologie kann erfahrungsgemäß zwischen 5 bis 15 % der Fälle bei malignen Tumoren die diagnostische Aussage verbessern (siehe untere Abb.).
  • Zusätzlich steht mit einer intraoperativ durchgeführten cytologischen Untersuchung (Schnell-Cytologie) eine Alternative zum herkömmlichen histologischen Schnellschnitt zur Verfügung.
  • geringe Belastung für den Patienten.
  • geringes Trauma und somit geringeres Risiko für eventuelle Komplikationen (z. B. Blutung).
  • beliebige Wiederholbarkeit (besonders zur Therapie oder Verlaufskontrolle).
  • es lassen sich Regionen erreichen, die operativ-bioptisch nur schwer zugänglich sind.
  • die FNAC ermöglicht eine schnelle Diagnostik (unter optimalen Bedingungen innerhalb von Minuten).
  • niedriger technisch- apparativer und somit kostengünstiger Aufwand im Vergleich zu einer operativ-bioptischen Untersuchung (z. B. Lymphknoten-Extirpation).
  • in Abhängigkeit des punktierten Organs (Lokalisation und Beschaffenheit des Gewebes) sowie der Erfahrung des Untersuchers, ist mit einer Versagerquote von ca. 5 % zu rechnen. Dabei wird in der Regel nicht genügendes Zellmaterial aspiriert. Bei kleinen Herden ist auch mit Fehlpunktionen zu rechnen. Die Zahl der Fehl-Punktate wird jedoch mit zunehmender Erfahrung geringer.

Welche Krankheiten können cytologisch diagnostiziert werden?

  • lle Krankheiten, die direkt oder indirekt zu einer Veränderung der Zellen selbst, ihrer Zusammensetzung, Zellorganellen oder Zellprodukten führen, können durch die Cytologie oder cytologische Methoden diagnostiziert werden.
  • Wenn dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist, bedeutet dies nicht, daß es unmöglich ist, sondern, daß unser heutiges Wissen noch nicht soweit ist.

Die Sicherheit der cytologischen Diagnose bzgl. der Malignität wie auch der Histogenese ist sehr hoch (siehe untere Tabelle) und der histologischen Diagnostik ebenbürtig. Um eine hohe Sensitivität zu erreichen, ist jedoch eine Gewinnung von ausreichend repräsentativem Zellmaterial notwendig.

Ergebnisse und Interpretationen

Die Verwendung einer modifizierten Papanicolaou – Klassifikation hat sich unserer Meinung nach für die klinische Cytologie als sinnvoll und hilfreich erwiesen, da sie eine klare Einordnung der Befunde, inklusive Graduierungen ermöglicht und den Cytologen veranlasst, mit möglichst wenig Worten eine klare Aussage zu stellen.

Klinische Angaben, insbesondere Verdachtsdiagnosen, sind für den beurteilenden Cytologen für die Interpretation der Befunde sehr wichtig und sollten ihm mitgeteilt werden. Ein klarer klinisch- radiologischer CT-Befund und eine ebenso klare cytologische Diagnose ermöglichen und erlauben unserer Meinung nach die unverzügliche Einleitung einer Therapie.

So ist zum Beispiel bei einem jüngeren Patienten mit den Zeichen einer oberen Einflussstauung und einer klaren cytologischen Diagnose eines kleinzelligen Bronchialkarzinoms aus einem Lymphknotenpunktat, ein Therapiebeginn noch vor einer eventuellen histologischen Sicherung gerechtfertigt. Ebenso kann bei der Diagnose eines malignen Lymphoms verfahren werden, da die cytologische Subtypisierung der malignen Lymphome in erfahrenen Händen eine hohe diagnostische Sicherheit aufweist (siehe untere Tabelle).